Vagabunden Kongress 2014 (Site-specific)

Vagabondage als Ästhetik des Widerstands? Das geht am Theater Rampe in Stuttgart.

panorama-plakate-10-aEs geht um die Re-Aktivierung zum 85jährigen Jubiläum des historischen Vagabundenkongresses in Stuttgart. Als permanenter Zustand der Exklusion, also im Ausnahmezustand, kann Vagabondage als ein „dritter Weg“, jenseits von Reaktion und Revolution, begriffen werden. Kann ästhetische Praxis festgefahrene Institutionen in Bewegung setzen? Kann das Vagabundieren die institutionalisierte Demokratie aus ihren Grenzen lösen? Liegt im utopischen Künstlerstaat ein Potential, das nicht zwangsläufig in Faschismus mündet oder kapitalistisch einkassiert wird?

Tanja Krone und ich haben Künstlerinnen aus aller Welt eingeladen, drei Wochen lang an diesem Experiment teilzunehmen. Mit dabei: die Stadt Stuttgart!

In den 20er-Jahren gründete Gregor Gog gemeinsam mit dem Bad Uracher Kreis die „Internationale Bruderschaft der Vagabunden“. Die geächtete Lumpen-Kaste der europäischen Moderne wollte er solidarisieren und in einer politisch-revolutionären Bruderschaft einen. Aus Verweigerern bzw. sozial Gescheiterten sollten programmatisch Streikende, Prototypen einer neuen Welt, werden. Diese Vagabundenbewegung kulminierte, als Gregor Gog sie 1929 am Stuttgarter Killesberg revolutionär aufladen wollte und zu einem Vagabundenkongress versammelte.

gustogräser-spricht„Generalstreik ein Leben lang“ war seine Losung und seine „Kunden“ waren die Letzten einer Hierarchie, sie waren die Heimatlosen, sozial Entwurzelten, die aus dem Raster der Existenzsicherung gefallen waren, die Städte und Dorfgemeinschaften ausgestoßen hatten. In ihnen erkannte er, durchaus romantisierend, das Potenzial einer politischen Gegenbewegung. Mit seiner Streitschrift: „Was will die Bruderschaft der Vagabunden?“ verlieh er ihr ein Programm und mythische Aufladung. Er beschwört darin eine neue universale Gemeinschaft, eine „Herberge für alle“, in der das Vagabundieren eine utopisch-paradoxe Heimat findet.

Die Künstlerinnen beim Vagabundenkongress:

Karl Philipps (Belgien), Andreas Liebmann (Deutschland / Schweiz), Justin Time (Deutschland), Arthúr van Balen (Ungarn, Deutschland), Taisiya Krugovykh (Russland), Vasiliy Bogatov (Russland), Siyabonga Mthembu (Südafrika), Alina Popa und Florin Fueras (Rumänien), Maria Tengarrinha (Portugal), Aya Tarek (Ägypten), Azul Blaseotto und Eduardo Molinari (Argentinien)

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